Neue Entwicklungen in Amazon Seller Central (2026): Was Händler jetzt wissen müssen
Der Onlinehandel entwickelt sich kontinuierlich weiter – und kaum eine Plattform prägt diese Entwicklung so stark wie Amazon. Insbesondere Änderungen in Amazon Seller Central haben oft direkte Auswirkungen auf Händlerstrukturen, Logistikprozesse und Margen.
Zwischen Januar und März 2026 hat Amazon mehrere Anpassungen umgesetzt oder angekündigt, die für Händler strategisch relevant sind. Einige davon betreffen operative Details wie Gebühren oder Logistikprozesse. Andere greifen tiefer und verändern die Struktur des Marktplatzes selbst.
Der folgende Überblick zeigt die wichtigsten Entwicklungen und ordnet ein, welche Auswirkungen sie auf Händler haben.
Das Ende des Commingling-Systems
Eine der größten Veränderungen betrifft die Logistikstruktur von Amazon. Zum 31. März 2026 beendet Amazon das sogenannte Commingling-System.
Beim Commingling wurden bisher identische Produkte verschiedener Händler gemeinsam in FBA-Lagern gelagert. Beim Versand griff Amazon einfach auf das nächstgelegene Produkt zu, unabhängig davon, von welchem Händler die Ware ursprünglich stammte.
Dieses System ermöglichte zwar effizientere Logistikprozesse, brachte jedoch auch Risiken mit sich. Vor allem Markenhersteller kritisierten, dass minderwertige oder gefälschte Produkte anderer Händler über denselben Lagerbestand ausgeliefert werden konnten.
Mit der Abschaffung des Systems müssen Händler künftig häufiger mit FNSKU-Barcodes arbeiten, wodurch Produkte eindeutig einem Verkäufer zugeordnet werden können.
Auswirkungen für Händler
Für Markenhersteller kann diese Änderung Vorteile bringen, da sie die Kontrolle über ihre Produkte stärkt und Fälschungsrisiken reduziert.
Reseller hingegen müssen mit einem höheren operativen Aufwand rechnen, etwa durch zusätzliche Labeling-Prozesse oder Logistikvorbereitung.
Neue Regeln für automatisierte Tools und KI-Systeme
Im März 2026 hat Amazon zudem sein Business Solutions Agreement aktualisiert und eine neue Agent-Policy eingeführt.
Diese betrifft insbesondere automatisierte Systeme, die auf Amazon-Daten zugreifen. Dazu gehören beispielsweise:
Repricing-Tools
Listing-Automatisierung
Analyse-Software
KI-basierte Seller-Tools
externe API-Automationen
Amazon verfolgt damit das Ziel, den Zugriff auf Plattformdaten stärker zu regulieren.
Auswirkungen
Für Händler bedeutet dies vor allem strengere Compliance-Anforderungen. Tools müssen künftig klar definierte Zugriffsrechte nutzen und Amazons Richtlinien einhalten. Verstöße können im Extremfall zu Account-Sperrungen oder eingeschränkten API-Zugängen führen.
Gerade Unternehmen, die stark auf Automatisierung oder datengetriebene Prozesse setzen, müssen ihre Tool-Landschaft daher regelmäßig überprüfen.
Änderungen bei Produktbewertungen und Varianten
Im Februar 2026 hat Amazon zudem die Logik für Bewertungen innerhalb von Produktvarianten angepasst.
Bisher wurden Rezensionen häufig über mehrere Varianten hinweg zusammengeführt. Kunden sahen also beispielsweise eine Gesamtbewertung für ein Produkt, auch wenn sich Bewertungen auf unterschiedliche Farben oder Größen bezogen.
Die neue Darstellung trennt Bewertungen stärker nach Varianten.
Auswirkungen
Für Händler bedeutet dies mehr Transparenz – aber auch mehr Verantwortung.
Produkte mit schwächeren Varianten können ihre Bewertungen nicht mehr so leicht hinter guten Varianten „verstecken“. Gleichzeitig erhalten Kunden eine realistischere Einschätzung der jeweiligen Produktvariante.
Anpassungen der FBA-Gebührenstruktur
Amazon hat außerdem mehrere Anpassungen an der Gebührenstruktur vorgenommen. In einigen Kategorien wurden FBA-Gebühren leicht reduziert, insbesondere bei günstigen Produkten.
Ziel dieser Strategie ist es unter anderem, den Wettbewerb gegenüber Plattformen wie Temu oder Shein zu stärken und Händler im Niedrigpreissegment zu halten.
Für Händler kann dies insbesondere bei Produkten im unteren Preissegment zu leicht verbesserten Margen führen.
Ende der FBA-Prep-Services
Eine weitere operative Änderung betrifft die FBA-Vorbereitungsservices. Amazon stellt bestimmte Prep-Leistungen, etwa Labeling oder Verpackungsvorbereitung, schrittweise ein.
Händler müssen diese Schritte künftig selbst übernehmen oder an externe Logistikdienstleister auslagern.
Für größere Händler mit eigenen Logistikprozessen ist dies meist unproblematisch. Kleinere Verkäufer müssen ihre Fulfillment-Prozesse hingegen stärker professionalisieren.
Verkürzte Frist für SAFE-T Claims
Auch im Bereich der Rückerstattungsprozesse gab es eine Änderung. Die Frist für sogenannte SAFE-T Claims wurde von 60 Tagen auf 30 Tage reduziert.
Diese Claims ermöglichen Händlern beispielsweise Rückforderungen bei:
beschädigter Ware
Kundenbetrug
ungerechtfertigten Rückerstattungen
Durch die verkürzte Frist müssen Händler ihre Refund- und Retourenprozesse künftig deutlich enger überwachen.
Eine klare Entwicklung des Marktplatzes
Betrachtet man diese Änderungen im Zusammenhang, zeigt sich eine klare strategische Entwicklung: Amazon professionalisiert seinen Marktplatz weiter.
Die Plattform bewegt sich zunehmend weg von Gelegenheitsverkäufern hin zu professionellen Handelsstrukturen. Händler müssen ihre Prozesse stärker automatisieren, ihre Datenstrukturen sauber aufbauen und ihre Logistik präziser organisieren.
Für Unternehmen, die bereits professionell im E-Commerce arbeiten, bieten diese Veränderungen sogar Chancen. Strukturierte Prozesse, sauberes Controlling und integrierte Datenlandschaften werden immer stärker zum Wettbewerbsvorteil.
Quellen
Amazon Seller Forums. (2026). Updates to Business Solutions Agreement and Agent Policy.
https://sellercentral.amazon.com/seller-forums
Händlerbund. (2026). Anpassungen der Amazon-Gebührenstruktur 2026.
https://www.haendlerbund.de
Ruhr24. (2026). Amazon beendet Commingling-System im März 2026.
https://www.ruhr24.de/service/amazon-bestellungen-maerz-2026-kunden-system-commingling-aenderung-haendler-barcodes-94151704.html